Document 1034; Page 920

Aus transcribe europeana 1914-1918
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ins "Königreich des heiligen Stephan" [= Königreich Ungarn] hinein. _ _ Orginell waren die Trachten der Bewohner des Landes. Die Männer trugen eine enganliegende Hose aus Wandt((?)) mit grünem Besatz, der vorn am Fußanfang und oben in einem Bogen auslief. Der Rock war aus demselben Stoff hergestellt und hatte denselben Besatz. Er wurde meist über die rechte Schulter gehängt, da es damals schon sehr warm war. Die Frauen, oder das weibliche Geschlecht, trug um, vom Kopfe angefangen, meistens ein buntes oder weißes Tuch; dann eine Pelzweste nach Miederart aber meistens offen. Darunter kam gleich das Hemd. Der Rock war aus dünnem Leinen oder Kattun. Die Füße waren mit langen Stiefeln od. plumpen Schuhen bekleidet und die Beine im letzteren Falle mit Wickelgamaschen aus Lumpen umwickelt. Ein Anblick, der auch bei einem noch so schönen Weibe wiederlich wirkte und das Weib unnahbar machte. Der Sonntagsrock bestand aus zwei Schürzen. Eine vorn u. eine hinten. Unterkleider werden nicht getragen. Bei uns dürfte man es wohl nicht der frechsten Dirne zumuten in solch einem Wamskostüm über die Straße zu gehen wievielmehr dürfte man von einer ehrbaren Frau oder einem zünftigen deutsch. Mädchen verlangen sich so zu kleiden. Nun kommen die Karpathen. _ Für einen wie ich, der noch nie ein Gebirge gesehen hat, ein wunderbarer Anblick. Zwischen steilabfallenden Bergen schlängelt sich die Bahn dahin. Während unten im Tal alles grünte und blühte, lag weiter oben Schnee und Eis.

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Auch an der Luft spürte mann's, daß man im Gebirge war, denn es war bedeutend kühler als in der Ebene. So einfach wie die Kleidung, waren auch die Wohnungen der Bewohner. Elende Hütten aus Holz gebaut mit dem Giebel nach der Straße. Von uns wurden diese Paläste stets Kaninchenställe genannt. Endlich kamen wir nach Borsa((?)) ins Land der Ruthenen. Hier wurden wir in eine Baracke der Genesungskompanie, Gr. R. [= Grenadier Regiment] 1, einquartiert und lagen dort bis zum anderen Tage. Dann fuhren wir mit der Prislop- bahn bis zu dem Berge, nach dem die Bahn ihren Namen trägt. Bei wunderbarem Frühlingswetter fuhren wir von Borsa ab und bei Schneegestöber landeten wir auf dem Prislop. Also aus dem Ostpr._Winter in den südl. Frühling u. dann in den Winter des Hochgebirges. _ Von Prislop gings nach der Einteilung zur Stellung. An den Weg werde ich mein ganzes Leben lang denken. Immer bergauf mit dem schweren Affen [= Tornister] und dann noch dazu alles verschneit. Endlich um 10 Uhr abends landeten wir bei der 1. Komp., die damals in Reserve lag.

17.4.17. Den nächsten Tag morgens meldeten wir uns beim Gefechtsstand des III. Batl. und wurden zur 10. Komp. geschickt. Am andern Tag übernahm ich die 4. Gruppe des I. Zuges, die bis dahin Gefr. Roth geführt hatte. Vizefeldw. Trenz führte damals den Zug. Vorm. wurde von 7-11, nachm. v. 2-5 Schnee geschippt. Trotzdem bekam